Ich bin Gwen Sullivan. Früher war ich die perfekte Tochter einer Familie, die nur den Schein kannte. Aufgewachsen zwischen Reichtum, Kontrolle und religiösem Fanatismus lernte ich früh, Fehler zu verstecken und Erwartungen zu erfüllen. Vorzeigeschülerin. Cheerleader-Captain. Diszipliniert. Makellos. Zumindest nach außen.
Doch hinter dieser Fassade war ich immer jemand anderes. Ich tanze, weil ich mich dort frei fühle. Ich liebe Frauen, auch wenn man mir mein ganzes Leben eingeredet hat, dass daran etwas falsch sei. Lange habe ich geschwiegen, mich versteckt und versucht, jemand zu sein, der ich nie war.
Dann lernte ich Eva kennen. Sie hatte mehr durchgemacht, als die meisten Menschen je ertragen müssten, und trotzdem verlor sie nie ihr Herz. Irgendwann merkte ich, dass ich mich in sie verliebt hatte. Zum ersten Mal entschied ich mich, nicht mehr wegzulaufen. Ich bekannte mich offen zu meiner Liebe – erst vor meiner Schule, dann vor meinen Eltern.
Sie verstießen mich. Statt Akzeptanz erwarteten mich Hass, Gewalt und eine sogenannte christliche Umerziehungseinrichtung, in der man versuchte, meine Identität aus mir herauszuprügeln. Wochen voller Schmerzen, Demütigungen und Narben sollten mich brechen. Sie haben meinen Körper gezeichnet und einen Teil meiner Unbeschwertheit genommen.
Aber sie haben eines nicht geschafft: Sie haben mich nicht verändert.
Heute trage ich diese Narben sichtbar und unsichtbar mit mir. Ich erschrecke noch oft, halte mich lieber im Hintergrund und habe Angst, anderen zur Last zu fallen. Trotzdem stehe ich noch. Ich hasse Ungerechtigkeit. Ich beschütze Menschen, die mir wichtig sind, selbst wenn ich dabei meine eigenen Grenzen vergesse. Und ich lerne jeden Tag ein wenig mehr, dass Liebe keine Sünde ist und dass ich mich für niemanden mehr verstecken werde.
Ich bin erst siebzehn Jahre alt. Ich bin nicht mehr perfekt. Ich bin verletzt. Ich bin gezeichnet. Aber zum ersten Mal in meinem Leben bin ich frei, einfach ich selbst zu sein.
03.05.2025, 14:12
05.09.2026, 11:35
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